"Es gibt  Begegnungen im Leben, die du sofort wieder vergisst. Es gibt Begegnungen, die dir in Erinnerung bleiben und es gibt die Begegnung, die dein Leben verändert."


Das allererste Mal bin ich auf Esta in der kleinen Gärtnerei in unserem Nachbarort aufmerksam geworden, in der ihre Oma Johanna arbeitete.

Sie war vielleicht fünf Jahre alt und ihre Augen strahlten in einem so unglaublichen Blau, dass ich meinen Blick kaum von ihr wenden konnte.

In den darauffolgenden Jahren habe ich das blonde Mädchen nie ganz aus den Augen verloren, da sie in unserem kleinen Dorf lange Zeit das einzige Kind war, das morgens an der Straße auf den Schulbus wartete.

Mein Kontakt zu ihr wurde enger, als ihre Oma eines Tages einen Schäferhund bei uns kaufte, und wir Tibor - wie Esta ihn nannte - ab und zu in Pflege nahmen. 

So wurde ich, anfangs nur als aufmerksame Beobachterin, fast zufällig in die sich zuspitzenden Ereignisse rund um Esta hineingezogen.

 

Vielleicht lag es daran, dass ich Johanna gegenüber einmal äußerte, dass es zwischen Himmel und Erde mit Sicherheit Dinge gibt, die sich mit rationalem Menschenverstand nicht erklären lassen.

Vielleicht wirke ich auch einfach nur besonders vertrauenswürdig. Wie auch immer: Eines Tages erzählte mir Johanna die ganze unglaubliche Geschichte ihrer Enkelin.

 

Rückblickend muss ich sagen, dass ich sehr froh darüber bin, dass Johanna mir letztendlich erlaubt hat, alle Ereignisse aufzuschreiben - auch wenn ich ein paar Ortsnamen verfremden musste.  Denn dadurch habe ich zum Schreiben zurückgefunden.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass Johanna nur aus einem einzigen Grund damit einverstanden war, Estas Geschichte öffentlich zu machen: Öffentlichkeit sorgt für Aufklärung und bietet immer auch einen gewissen Schutz.

Je mehr Leute Estas Geschichte kennen, um so weniger Unheil können die, die im Sturmschatten reisen, anrichten. Und das ist Johannas größtes Anliegen.